Samstag, 18. Juni 2016

Rückblick: Verlegung des Dielenbodens im Untergeschoss

Wie schon angekündigt, hole ich hier im Blog ein paar spannende Phasen des Hausbaus nach, für die mir damals die Zeit gefehlt hat.

Unser größtes Eigenleistungs-Projekt war die Verlegung des Dielenbodens. Unsere Dielen sind von Gunreben und aus nordischer Kiefer. Sie hatten ab Werk die Maße 18 cm Breite, 355 cm Länge und 2,7 cm Dicke.

Es gibt ja verschiedene Möglichkeiten die Dielen zu befestigen, z.B. vollflächige Verklebung oder schwimmende Verlegung. Wir haben uns aber für die klassiche Methode entschieden und die Dielen auf eine Holzunterkonstruktion verschraubt.

Ich wollte nämlich möglichst viel Öko im Innenbereich und deshalb auch keinen Klebstoff, da ich so meine Probleme mit manchen Lösungsmitteln habe (Deshalb male ich auch mit Eitempera und Kasein ;)

Im Obergeschoss haben wir deshalb auf den Trockenestrich verzichtet und Unterkonstruktionsleisten ausgelegt. In einem älteren Beitrag habe ich zur Verlegung im 1.OG  schon was geschrieben.

Im Untergeschoss wurde es dann allerdings etwas aufwendiger.

Da wir im Wohnraum und im Atelier auf Estrich verzichtet haben, mussten wir selbst so dämmen, dass der gleiche Dämmwert wie mit Estrich und Dämmplatten erzielt wird.

Wir mussten etwa 20 cm Höhe überbrücken und ich wollte unbedingt einen Ökodämmstoff. Der Dämmwert musste aber auch stimmen und ich bin nach ein wenig Recherche auf Jute gekommen, die sowohl preislich als auch vom Dämmwert mit üblichem Klemmfilz zu vergleichen ist.

Das ganze wird aus alten Kaffe-und Teesäcken ergestellt, was ich zusätzlich noch super finde. Ist ja irgendwie toll, so ein weitgereistes Material unter den Füßen zu haben.

Die Jutedämmung haben wir online bei bausep.de bestellt. Dort gibt es noch weitere Ökobaustoffe, die man im Baumarkt vor Ort nicht so leicht bekommt.

Unterkonstruktion auf Rollkork. Das graue sind unsere Heizungsrohre.
Bevor die Jute zum Einsatz kommen konnte, musste jedoch erstmal die Unterkonstruktion her. Diesmal waren das zwei Lagen aus Rahmenhölzern in Kreuzlattung, die wir mit Hanf schallgedämmt und dann mit unfassbar riesigen Schrauben miteinander verbunden haben.

Da der Estrich höher war als gedacht, mussten wir leider mit zusätzlichen Hölzern erhöhen, was aber ganz gut ging.

Die Unterkonstruktion darf  nicht an Wand oder Boden befestigt werden, sondern muss frei stehen. Zur Wand haben wir etwa 3cm Abstand gelassen.
 
Unsere ziemlich lädierte Katja-Folie, die schon ganz zu Beginn auf die Bodenplatte aufgelegt wurde mussten wir erstmal mit jeder Menge Bitumen-Kleber abdichten um anschließend Rollkork auszulegen. Das bringt nicht viel Dämmung, sorgt aber dafür, dass die Hölzer nicht zuviel rutschen, kleine Unebenheiten ausgeglichen werden und es schützt die Folie.

Es riecht echt seltsam - so eine Mischung aus Schusterwerkstatt, Pferdestall und irgendwas anderem. Sehr seltsam, aber nicht unangenehm.

Blöderweise hatte mein Mann bei all dem eine echt fiese Erkältung. Aber wir waren so spät dran und der Umzug stand kurz bevor, sodass wir durchziehen mussten.

Deshalb habe ich im Alleingang gedämmt und es ist eine ganz schön schweißtreibende Arbeit. Für die Mitte des Raumes haben wir übergebliebene Glaswolle vom Hausbau verwendet und dann rundherum die Jute verlegt. Ich habe alles mit einem guten Brotmesser geschnitten und das klappte prima.

Die Glaswolle ließ sich gut verarbeiten, hat aber meine Haut gereizt. Das ist ein simpler mechanischer Effekt bei empfindlicher Haut, den ich beim ersten Mal einfach nicht bedacht habe. Deshalb am besten Atemmaske, Schutzbrille, Handschuhe und lange Ärmel tragen.

Die Jutedämmung kratzt und juckt hingegen nicht, staubt beim Schneiden aber und deshalb ist eine Atemmaske eine sinnvolle Sache. Kleine Stücke lassen sich auch gut mit den Händen abreißen. Während der Verarbeitung habe ich mich tatsächlich ein bisschen wie im Heuschober gefühlt.
Dielen und Jutedämmung

Die Vorbereitung hat im Untergeschoss ziemlich lange gedauert und das anschließende Verlegen der Dielen war dann geradezu entspannend - naja fast. ;)

Unten haben wir die Dielen endlos verlegt, das heißt das abgeschnittene Stück der letzten Reihe wird in der nächsten Reihe als erstes Stück genommen. Das klappte ganz gut und wir hatten relativ wenig Ausschuss.

Wir haben Dielen und Unterkonstruktionshölzer jeweils mit einer Handkreissäge geschnitten. Die Dielen waren mitunter ziemlich zickig und Nut und Feder wollten sich nicht verbinden lassen. Da musste dann ein Schlagholz oder ein Zugeisen her. Am besten hat uns geholfen, wenn einer auf der zickigen Diele stand und der andere haute sie mit dem Schlagholz rein. Klingt brutal, klappt aber. ;)

Fugen lassen sich übrigens relativ gut vermeiden, wenn einer auch beim Festschrauben auf den Dielen steht, dann rutscht die Feder nicht so leicht raus.

Nachdem die Dielen lagen, wurden sie bloß noch viermal mit heißer Seifenlauge behandelt und fertig! Ist doch ganz einfach - oder ;)

Endlich fertig!

Unsere Dielen liegen ja teilweise schon drei Monate und bisher sind sie nicht so stark gedunkelt wie erwartet.

Die letzten Dielen haben wir übrigens oben im Flur verlegt und man konnte gut den Unterschied zwischen geseiftem und unbehandeltem Holz erkennen. Die geseiften Dielen waren viel grauer und blasser, denn die Seife hat den Farbton deutlich verändert.
Um die Dielen ganz hell zu erhalten müsste man sie wahrscheinlich laugen. Mich stört es aber nicht, wenn sie ein bisschen dunkler werden - Hauptsache sie werden nicht so extrem orangerot.

Sie sind übrigens auch sehr pflegeleicht. Kleine Kerben lassen sich mit Seifenwasser entfernen, indem das Holz einfach wieder aufquillt.

Flecken gehen auch gut raus und bisher bin ich rundum zufrieden mit unseren Dielen. Genauso wollte ich es haben.

Da wir ja keine Profis sind und sowas noch nie vorher gemacht haben, hatte ich schon meine Bedenken, ob wir das hinbekommen. Bisher hält alles - es knarzt nichts und die Dielen sind weder gerissen noch aufgequollen. :D

Kommentare:

Sunnys Haus hat gesagt…

Hallo Laumee,
das habt Ihr sehr gut hinbekommen ! Ich finde die Idee mit der Jutedämmung auch großartig. Echte Holzdielen sind einfach am schönsten.

Liebe Grüße
Birgit

Anonym hat gesagt…

Liebe Laumee,
da habt Ihr ja wirklich viel Arbeit gehabt. Allein, dass Ihr auf den Estrich verzichtet habt, den Fußboden auf Höhe bringen musstet (Rohre lagen da ja auch noch drin)...
Hut ab! Und schön ist es geworden - das kann man auf den Fotos deutlich sehen.
Genießt es, entspannt zwischendurch ein wenig und lasst es Euch gut gehen im schönen neuen Haus.
Liebe Grüße
Solvejg

Kathrin hat gesagt…

Hallo Laumee, euer Fußboden schaut ja echt super aus. Vor allem das mit der Jutedämmung kannte ich vorher noch gar nicht. Vielen Dank für die Anregung werde mich mal was das Thema angeht, weiter informieren.

Gruß
Kathrin

Norske Trehus hat gesagt…

Hallo"Laumee" ;-)!

Ja, geseifte Dielen sind wirklich ein Traum. Auch ich würde meine Massivholzdielen nicht ölen. Geseifte Dielen sind auf Dauer einfach pflegeleichter und vieeeeeel schöner. Übrigens, wenn man sie vor dem Seifen laugt, dann werden sie fast weiß.
Da man aber geseifte Dielen nirgends fertig gekauft bekommt, kennt kaum noch jemand diese alte, aber bewährte Dielenbehandlung.

So etwas Schönes können sich also nur Menschen realisieren, die den Einsatz von Zeit und Mühe aufbringen um einiges selbst zu machen, oder alternativ tief in die Tasche greifen und damit ein Fachunternehmen beauftragen.

Herzliche Grüße sendet Dir,
Vitus Wimmer
Holzhaus-Fachberater vom
BAUBÜRO SÜD der AKOST GmbH
www.bau-dein-schwedenhaus.de

Laumee hat gesagt…

Hallo Herr Wimmer,

der Aufwand lohnt sich wirklich. Ich freue mich jeden Tag auf's Neue über unsere tollen Dielen. :)

Der Boden ist superpflegeleicht und fühlt sich toll an. Ich kann nur jedem raten, die Seifenbehandlung selbst auszuprobieren.

Viele Grüße

Laumee

Janina hat gesagt…

Euer Dielenboden ist wirklich wunderschön geworden! :) Wir haben uns auch für eine Holzunterkonstruktion entschieden und einen Dielenboden von http://www.rudda.at/de/dielenboden/ gewählt. Sieht auch toll aus und ich freue mich, dass es doch relativ einfach ging, wenn man ein wenig handwerklich begabt ist.
Ich wünsche Euch ganz viel Spaß in Eurem Häuschen! :)

Janina

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